

„Demokratie, das bist du!“ – Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer
„Demokratie, das bist du!“ – Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer sprach im Flügelsaal über den Mut zur Demokratie
Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss gelernt, verteidigt und jeden Tag neu gelebt werden. Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch den Vortrag von Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer, der auf Einladung der VHS Langenfeld und des Bündnisses „Wir für Demokratie“ am 3. Juni im Flügelsaal als Referent des dritten Themenabends des Demokratieforums Langenfeld zu Gast war.
Gleich zu Beginn formulierte Hufer zwei zentrale Gedanken, die den Abend prägen sollten: „Schweigen ist Zustimmung“ und „Demokratie, das bist du.“ Demokratie sei keine Aufgabe einiger weniger Politikerinnen und Politiker, sondern lebe vom Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger. Dabei lobte er das Langenfelder Bündnis als „fulminantes Beispiel“ ,wie man für die Demokratie eintreten könne.
Zunächst anhand historischer Beispiele erinnerte Hufer daran, dass demokratische Rechte nie selbstverständlich waren. Von den Göttinger Sieben über Robert Blum bis zu den demokratischen Bewegungen des Jahres 1848 zeigte er Menschen auf, die persönliche Risiken eingingen, um für Mitbestimmung, Freiheitsrechte und demokratische Reformen einzutreten. Demokratie sei immer auch das Ergebnis von Mut und Zivilcourage gewesen.
Im weiteren Verlauf widmete sich Hufer der Frage, was Demokratie eigentlich ausmacht. Demokratie sei weit mehr als eine Staatsform. Sie sei eine Lebensform, die auf Pluralität, Gewaltenteilung, öffentlicher Debatte und dem respektvollen Umgang mit unterschiedlichen Interessen beruhe. Gerade darin liege aber auch ihre Herausforderung. Demokratie sei, so Hufer, „eine Zumutung“, weil sie verlange, Konflikte auszuhalten und mit Menschen zusammenzuleben, deren Ansichten man nicht teile.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Hufer den gesellschaftlichen Veränderungen, die demokratische Gesellschaften derzeit herausfordern. Er benannte sechs große Megatrends: Individualisierung, Globalisierung, Digitalisierung, Ökonomisierung, Migration und Klimawandel. Diese Entwicklungen eröffneten neue Freiheiten und Möglichkeiten, erzeugten zugleich aber auch Unsicherheit, Orientierungsverlust und neue Konflikte. Viele Menschen erlebten die Welt dadurch als immer komplexer und schwerer überschaubar. Genau darin liege eine Gefahr für die Demokratie: Wer sich überfordert fühle, werde anfälliger für einfache Erklärungen und vermeintlich einfache Lösungen. Demokratie hingegen lebe davon, unterschiedliche Interessen auszuhalten, Konflikte auszutragen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Unter Verweis auf aktuelle Studien machte Hufer deutlich, dass demokratiefeindliche, autoritäre und verschwörungsideologische Einstellungen längst nicht mehr ausschließlich an den gesellschaftlichen Rändern zu finden seien. Teile dieser Haltungen reichten inzwischen bis in die gesellschaftliche Mitte hinein. Gleichzeitig verwies er auf den weltweiten Rückgang liberaler Demokratien und betonte, dass demokratische Gesellschaften historisch betrachtet eher die Ausnahme als die Regel seien.
Trotz dieser kritischen Bestandsaufnahme endete der Vortrag nicht pessimistisch. Im Gegenteil: Hufer warb eindringlich dafür, Demokratie aktiv zu verteidigen. Dazu gehöre es, demokratiefeindlichen Aussagen zu widersprechen, rote Linien zu erkennen und nicht zu schweigen. Ebenso wichtig sei die Bereitschaft, Informationen kritisch zu prüfen, Desinformation zu erkennen und sich nicht von einfachen Parolen leiten zu lassen. „Populismus ist einfach. Demokratie ist komplex“. Dieses Zitat von Ralf Dahrendorf, einem der wichtigsten liberalen Intellektuellen des 20 Jahrhunderts, sei nichts hinzuzufügen, so Hufer.
Und auf die Frage, was eine Gesellschaft zusammenhalte, betonte Hufer die Bedeutung persönlicher Begegnungen. Demokratie lebe von Menschen, die miteinander ins Gespräch kommen, einander zuhören, unterschiedliche Sichtweisen aushalten und gemeinsam nach Lösungen suchen. Gerade angesichts wachsender Einsamkeit und digitaler Filterblasen seien reale Begegnungsorte unverzichtbar, um demokratischen Zusammenhalt zu fördern. Der reale Austausch in Vereinen, Initiativen, Bildungsangeboten und Nachbarschaften gewinne wieder an Bedeutung.
Die lebhafte Diskussion im Anschluss zeigte, dass Hufers Impulse auf Resonanz stießen. Immer wieder ging es um die Frage, welche Rolle die Medien spielen , wie demokratische Begegnungsräume gestärkt, Menschen miteinander vernetzt und mehr Beteiligung ermöglicht werden können. Damit wurde bereits an diesem Abend sichtbar, was Demokratie nach Hufer ausmacht: Zuhören, widersprechen, gemeinsam nachdenken und gemeinsam handeln.
Die Reihe des Demokratieforums Langenfeld wird am 9. Juli um 18 Uhr im Flügelsaal fortgesetzt. Dann widmet sich Prof. Dr. Wolfgang Detel der Frage, welche Folgen soziale Ungleichheit für die Zukunft der Demokratie hat.
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